Wann arbeitest Du eigentlich wieder?

Als ich vor ein paar Monaten auf Facebook gelesen habe, dass ich einen Gastbeitrag zum Thema: Wann arbeitest Du eigentlich wieder” schreiben darf, musste ich erstmal herzlich lachen.

Aber nicht, weil ich die Frage so lustig finde, sondern weil mir genau diese Frage vor ungefähr 15 Jahren, als mein älterer Sohn gerade mal 2 Jahr alt war, auch gestellt wurde. Und ich habe mich damals fürchterlich darüber geärgert. Und zwar so sehr, dass ich heute noch ganz genau weiß, wer mir diese Frage gestellt hat und sogar auch noch, wo sie mir gestellt wurde.

Es war ein Mann. Mein bester Freund. Er stellte mir die Frage in seinem Büro. Damals selbst noch kinderlos. Sonst hätte er mir diese Frage vielleicht nicht gestellt. Oder vielleicht doch. Ich weiss es gar nicht.

Genau genommen hat er mich damals nicht nur gefragt, wann ich eigentlich wieder arbeite sondern zusätzlich etwas noch viel viel Schlimmeres:

“Tini, was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Du hast nur ein Kind und arbeitest nicht. Du müsstest doch eigentlich ganz viel Zeit haben!”

Ja, doof, müsste ich eigentlich, habe ich aber leider nicht. Denn seit ich ein Kind habe, ist mein Leben unerwartet und ohne dass ich das vorher hätte studieren können total auf den Kopf gestellt worden. Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Gar nichts gar nichts gar nichts. Und über meine Zeit kann ich seitdem leider auch nicht mehr selbst verfügen.

Ich weiß ganz gewiss, dass er diese Frage heute fürchterlich bereut, denn er hat mittlerweile selbst eine Tochter von 6 Jahren und muss leider gerade am eigenen Leibe erfahren, dass seine Frau seit dem für nichts mehr aber wirklich auch gar nichts mehr, und leider auch nicht mal mehr für ihn, Zeit hat. Er beschwert sich manchmal ein wenig darüber. Bei mir. Ausgerechnet bei mir. Und jedes Mal sage ich ihm, dass es die Strafe dafür sei, dass er mir vor Jahren eine so freche Frage gestellt hat.

Doof. Eigentlich ist diese Frage eine ganz normale Frage. Und von dem Fragenden sicherlich überhaupt nicht frech oder despektierlich gemeint, sondern es ist einfach nur eine Frage. Eine einfache Frage. Nicht mehr und nicht weniger. Und diese eine Frage löst in uns nicht berufstätigen Mamis ganz viel aus. Und zwar etwas sehr sehr Unangenehmes. Wir fühlen uns auf den Schlips getreten. Angegriffen. Nicht wertgeschätzt. Wir denken, dass niemand es wertschätzt, was wir den ganzen Tag leisten.

Und am Ende des Monats überweist uns auch niemand Geld dafür. Jede gute Fee bekommt Geld, wenn sie unser Haus sauber hält und unsere Wäsche bügelt. Jeder Babysitter bekommt Geld, wenn er abends ein paar Stunden auf unsere Kinder aufpasst. Jeder Nachhilfelehrer verdient etwas, wenn er versucht, unseren Kindern Mathe beizubringen. Aber wenn wir Mamis den ganzen Tag alles zusammen und auf einmal machen, dann bekommen wir keinen einzigen Cent dafür.

Das einzige was wir dafür bekommen ist die Frage: Wann arbeitest Du eigentlich wieder?

Heute, 15 Jahre später und ein Kind reicher, ärgert mich diese Frage nicht mehr. Heute muss ich sogar grinsen, wenn ich daran denke, dass ich mich damals so sehr darüber geärgert habe. Ich muss grinsen, weil ich mich so sehr darüber freue, dass ich heute weiß, was ich alles leiste und dass ich mich vor niemandem rechtfertigen muss, wann und wieviel ich arbeite. Und ob ich überhaupt arbeite. Und ob ich für die Arbeit auch Geld bekommen oder das Wertvollste, das es gibt: die Liebe meiner Kinder.

Es gibt übrigens einen großartigen Artikel über das Thema berufstätige und nicht berufstätige Mamis. Es ist ein Brief einer nicht berufstätigen Mami an eine berufstätige Mami und umgekehrt. In beiden Briefen drücken die Mamis ihr Verständnis für den jeweils anderen aus. Ich liebe diese Briefe.

http://www.huffingtonpost.de/dr-carolyn-ee/brief-einer-berufstaetige_b_4829070.html?ncid=fcbklnkushpmg00000071

Ich bin letztes Jahr im Mai 40 geworden, meine beiden Jungs, Max und Anton sind mittlerweile 17 und 13, ich bin alleinerziehend und total verliebt. Und ich liebe das Leben genauso wie es ist.

Ich habe vor 5 Jahren mein eigenes kleines Theater gegründet, da ich seit ich denken kann, Schauspielerin werden möchte. Es heißt Paulas Suppentheater. Da ich zusätzlich für mein Leben gerne einrichte, renoviere, saniere und umbaue habe ich an einer Fernuni Innenarchitektur studiert und letztes Jahr auch abgeschlossen. Es war grossartig, nochmal etwas Neues lernen zu dürfen und dafür auch noch Noten zu bekommen. Und da ich es liebe, andere zu motivieren und mitzureißen, andere dafür zu begeistern ihr Leben zu leben, ihren Herzensweg zu finden, das Leben einfach zu genießen und vor allem Träume wahr werden zu lassen, habe ich letztes Jahr eine Ausbildung zur Mutterleicht Trainerin gemacht und gebe nun Mutterleicht Workshops in Düsseldorf/Neuss, in Bremen und im Rheingau.

Und ich bin so glücklich darüber, dass alles genau so gekommen ist. Manchmal braucht es etwas Zeit bis man sich findet und weiß, was man im Leben möchte. Bis man herausgefunden hat, was das Herz höher schlagen lässt und die innere Sonne zum Strahlen bringt.

Und wenn mich heute nochmal jemand fragen würde: „Tini, wann arbeitest Du eigentlich wieder?, dann würde ich mich kein bisschen mehr darüber ärgern.

Ihr Mamis seid alle großartig. Genauso wie ihr seid.

Herzliche Grüße

tinibusch ♥

8 Responses

  1. Hallo,
    auf Instagram folge ich (OrgaTante) dir schon ein bißchen – so ganz leise. Nun habe ich gerade erst Deinen Blogpost gelesen. Danke dafür! Ich bin sehr gerne ” nur” daheim bei meinen Kindern gewesen – ich würde das genauso wieder machen! und wie man bei dir sieht ” verliert” man keine Zeit wenn man daheim bei seinen Kindern ist! Toll was du alles auf die Beine gestellt hast! Weiterhin alles Liebe und Grüße
    Steffi

  2. Liebe Tini!
    Das ist ja ein toller Post zu dem immer noch leidigen Thema `Wertschätzung von Müttern`.
    Du machst ja wahnsinnig viel, wow!
    Ich muss unbedingt mal in Dein Theater kommen.
    Liebste Grüße
    Anja

  3. Liebe Tini,

    ich bin heute auf Instagram über Deinen tollen Account “gestolpert” und freue ich sehr darüber! Natürlich bin ich neugierig und eben dann auf Deinem Blog gelandet. Du strahlst so viel Lebensfreude und Humor aus, das ist echt ansteckend!!! Danke auch für den Artikel über Dich als Mami. Ich sehe es genau so: Es gibt so viele tolle Mamis, ob wir arbeiten oder nicht – jede von uns tut ihr Bestes und liebt ihre Kids! Und bei dem Willkommens Video bei der Ankunft von Deinem Max hatte ich echt einen Kloß im Hals 😉 Meine Jungs sind von klein auf jeden Sommer bei ihrem Papa in Spanien und ich kenne es nur zu gut, die Tränen wenn sie wegfliegen (mir bricht es jedes Mal das Herz…) genau so wie die Tränen der Freude wenn sie wieder zurück kommen, auch wenn es immer nur ein paar Wochen sind… Jetzt lese ich gleich mal die Briefe die Du oben empfohlen hast.

    Alles Liebe,

    Jule

    1. Liebe Jule, danke danke danke für Dein super tollen und lieben Kommentar. Ich freue mich riesig darüber. Und ich freue mich auch richtig doll darüber, dass wir uns auf Instagram gefunden haben. Viel Spaß beim Lesen der Briefe. Sie sind soooo toll und wahr. Ich wünsche Dir einen schönen Abend. Liebe Grüße Tini ♡

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