Wieso ich Geburtsvorbereitungskurse gebe obwohl ich keine Hebamme bin

Da ich immer wieder gefragt werde, ob ich Hebamme bin erzähle ich Euch heute mal, warum ich Geburtsvorbereitungskurse gegeben habe, obwohl ich gar keine Hebamme bin.

Irgendwann als eine Freundin und ich abends zusammen in meiner Küche saßen und ich ihr davon erzählte, dass mich der Chefarzt der Geburtsstadion des Lukskrankenhaus gefragt hat, ob ich Lust habe, meine Mutterleicht Workshops auch im Lukaskrankenhaus anzubieten, kam uns eine Idee.

Die neue Elternrolle

Schon seit Jahren philosophiere ich darüber, dass ich es großartig finden würde, wenn werdende Eltern besser darauf vorbereiten werden, auf einmal nicht mehr nur Paar sondern eben auch Eltern zu sein und damit eine ganz neue Rolle einnehmen. Und damit meine ich nicht die klassische Vorbereitung auf die Geburt sondern viel mehr auf die Zeit danach.

Der erste Zauber ist einfach magisch und ich finde es grossartig, wenn alle Eltern dies auch geniessen können

Und um dies geniessen zu können und nicht plötzlich von der rosaroten Wolke geschubst zu werden sind viele werdenden Eltern so dankbar, vorher darüber kommunizieren zu können und sich gemeinsam darauf vorzubereiten. Über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse und auch Ängste und Sorgen zu sprechen.

Auch mal über die ungeschönte Wahrheit zu sprechen. Dass sehr viele Frauen nach der Geburt erstmal andere Dinge im Kopf haben als die ganze Nacht Sex zu haben. Dass man vielleicht auch mal etwas schneller von seinem Partner genervt sein kann als es zuvor der Fall war. Dass es durch den permanenten Schlafmangel auch viel schneller zu Missverständnissen kommen kann weil einfach alle etwas gereizt sind. Und vor allem, dass dies ganz normal ist und es so ganz vielen jungen Eltern geht. Dass niemand damit alleine ist. Dass man in dieser Anfangszeit mehr denn je seine Bedürfnisse aussprechen darf und sogar muss.

Es ist nicht alles immer nur rosarot

Dass man nach einer schlaflosen Nacht ruhig auch mal den ganzen Tag im Bett verbringen darf und das sogar gut ist um Energie zu tanken. Dass es wirklich wichtigeres als geputzte Fenster und gestaubsaugte Böden gibt. Und verdammt nochmal ja, dass wir Frauen auch ruhig mal zugeben dürfen, dass wir sauer und manchmal vielleicht auch ein klein wenig neidisch auf unseren Partner sind, dass er morgens das Haus verlassen und arbeiten gehen darf. Und ja, auch der Partner darf sagen, dass er sich abends gerne wenigstens die Krawatte ausziehen möchte bevor er von seiner, kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehende Frau, das schreiende Kind in den Arm gedrückt bekommt.

Kommunikation & Sex

Ich spreche mit den Paaren über mein Lieblingsthema Kommunikation, über ihre Wünsche und Ängste, wir machen eine kleine Meditation zusammen, in der ich die Paare an ihren Kraftort führe und ich spreche auch getrennt voneinander mit ihnen. Ich rede mit den Männern über Sex während und nach der Schwangerschaft. Dass es nicht an ihnen liegt, wenn ihre Frauen kurz nach der Geburt (oder auch noch ein paar Monate danach) keine Lust auf Sex haben. Ich geben den Männern Raum und Zeit, sich mit den andern Männern auszutauschen und bitte sie, auf ihre Frauen zu achten und sie zu unterstützen auch wenn sie vielleicht zurückgewiesen werden oder nicht immer für alles Verständnis haben.

Wir reden darüber, wie wichtig es ist, auch hier wieder klar zu äußern, was man möchte und was man nicht möchte. Den Freunden und Bekannten mitzuteilen, wenn man in den ersten Tagen keinen Besuch bekommen möchte. Die Großeltern zu bitten, nicht ungefragt ihre Meinung zu äußern, wie man ein Kind erzieht. Den Großeltern zu sagen, dass es heutzutage üblich ist, dass die Babys bei den Eltern schlafen und, dass das nicht heißt, dass sie das mit 18 Jahren immer noch machen.

Wünsche und Bedürfnisse

Ich ermutige die Paare dazu, sich Hilfe zu suchen, wenn sie Hilfe brauchen. Sich nicht dafür zu schämen, auch mal überfordert zu sein sondern sogar stolz darauf zu sein, darüber zu sprechen. Das waren wir alle am Anfang.

Wir sprechen über Ängste und Sorgen und über ihre Wünsche und Bedürfnisse. Darüber, was sie glauben, wie sie als Eltern sein werden und wie sie gerne sein möchten.

Die Paare schreiben sich gegenseitig einen Brief, den sie sich nach der Geburt überreichen. Dabei gibt es immer mal wieder Männer, die erst etwas verhalten darauf reagieren und genau diese Männer kommen nach ein paar Minuten zu mir und fragen, ob ich noch mehr Papier für sie habe.

Ich war nach der Geburt meines ersten Sohnes schon manchmal überrollt von der neuen Situation. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich in Ruhe stillen wollte und alle 10 Minuten Besuch ins Krankenhaus kam und mich das total überfordert hat. Ich finde es ganz wichtig, sich zu Beginn ganz viel Zeit und Ruhe für sich und das Baby zu nehmen. Anzukommen in der neuen Situation als Familie. Und Besuch kann auch ein paar Woche später kommen.

Dankbarkeit

Und das schönste Geschenk ist es, wenn die Paare mir noch Monate später Fotos schicken und sich dafür bedanken, dass sie meinen Kurs machen durften und mir schreiben, dass sie ohne meinen Kurs, sich niemals so wohl gefühlt hätten und sie so dankbar sind, dass sie auf alles so gut vorbereitet waren.


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